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Über-mich-Text schreiben, der Kundinnen bringt — nicht nur Beifall

Von Kirsten Biema · Stand: August 2026

Kurz gesagt: Ein guter Über-mich-Text handelt zuerst von deiner Leserin, dann von dir: Er beginnt bei ihrem Problem, erzählt deine Geschichte als Brücke dorthin, belegt deine Kompetenz mit Konkretem, zeigt dosiert Persönliches — und endet mit einem klaren nächsten Schritt. Die Struktur dafür hat fünf Blöcke und passt auf eine Seite.

Hier ist eine Zahl, die viele überrascht: Die Über-mich-Seite gehört auf fast jeder kleinen Business-Website zu den meistbesuchten Seiten überhaupt. Bevor jemand bucht, anruft oder auch nur den Newsletter abonniert, macht sie fast immer diesen einen Klick: Wer ist das eigentlich?

Und was findet sie dort? Meistens eine von zwei Sackgassen. Entweder den Lebenslauf in Prosa: „Nach meinem Studium der Betriebswirtschaft war ich zwölf Jahre in verschiedenen Positionen tätig …“ Oder die Floskel-Wolke: „Herzlich willkommen! Ich brenne dafür, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten.“ Beides beantwortet die eine Frage nicht, mit der die Besucherin gekommen ist: Bist du die Richtige für mein Problem?

Die Über-mich-Seite ist keine Bühne für dich. Sie ist der Moment, in dem deine Leserin entscheidet, ob sie dir ihr Problem anvertraut.

Der Denkfehler: „Über mich“ heißt nicht „für mich“

Der Name der Seite führt in die Irre. Ja, es geht um dich — aber gelesen wird die Seite von jemandem, der gerade ein Problem hat und prüft, ob du es lösen kannst. Jeder Satz muss deshalb einen doppelten Job machen: etwas über dich erzählen und der Leserin zeigen, dass sie bei dir richtig ist. Dein Werdegang interessiert sie genau in dem Maß, in dem er ihr nützt.

Die gute Nachricht: Genau das macht die Seite leicht zu schreiben. Du brauchst keine schillernde Biografie — du brauchst eine klare Verbindung zwischen deinem Weg und ihrem Problem.

Die 5-Block-Struktur

Block 1: Ihr Problem zuerst — der Spiegel-Einstieg

Beginne nicht mit „Ich bin …“, sondern mit ihr: „Du bist gut in dem, was du tust — aber die Kundinnen kommen zäh, und du fragst dich langsam, was du übersiehst.“ Zwei, drei Sätze, in denen sich die richtige Leserin sofort erkennt. Die Worte dafür kommen aus deiner Zielgruppenanalyse: Es sind die Formulierungen, die deine Kundinnen selbst benutzen.

Block 2: Deine Geschichte als Brücke — nicht als Chronik

Jetzt darfst du erzählen — aber gefiltert durch eine einzige Frage: Welcher Teil deines Weges erklärt, warum du ihr Problem verstehst und lösen kannst? „Ich war selbst da“ ist die stärkste Brücke, die es gibt: die Buchhalterin, die ihr eigenes Zahlenchaos erst ordnen musste; die Beraterin, die den Wiedereinstieg selbst durchlebt hat. Was nicht auf diese Brücke gehört, fliegt raus — auch wenn es dir wichtig war. Der Umweg über Stationen, die nichts mit ihrem Problem zu tun haben, kostet dich Leserinnen, keine Sympathie.

Block 3: Beweise — konkret statt adjektivisch

„Erfahren, kompetent, professionell“ behauptet jede. Belege zählen: seit wann du das tust, wie viele Kundinnen, welche Ergebnisse, welche Ausbildung — und am stärksten: ein, zwei wörtliche Kundinnen-Stimmen. Ein einziger Satz wie „Bei dir habe ich zum ersten Mal verstanden, wo mein Geld hingeht“ ersetzt drei Absätze Eigenlob. Dein Alleinstellungsmerkmal gehört hierher — als gezeigte Tatsache, nicht als Behauptung.

Block 4: Persönliches — dosiert und mit Absicht

Der Hund, der Garten, die Kaffee-Leidenschaft: ja, aber in zwei Sätzen und am Ende, nicht als halbe Seite. Persönliches macht dich nahbar und bleibt hängen („die mit den zwei Huskys“) — es ersetzt aber keine Substanz. Faustregel: 80 Prozent der Seite arbeiten für ihre Entscheidung, 20 Prozent machen dich menschlich.

Block 5: Der nächste Schritt — eine Tür, klar beschriftet

Die Leserin ist am Ende der Seite überzeugt — und dann? Viele Über-mich-Seiten enden einfach. Deine endet mit genau einer Einladung: zum Angebot, zum Kennenlern-Gespräch, zum Newsletter. Eine Tür, nicht fünf. Wer der Leserin am Schluss drei Optionen und vier Links anbietet, bekommt von den meisten: keinen Klick.

Vorher — nachher: ein Beispiel

Vorher: „Herzlich willkommen! Mein Name ist Petra M., ich bin zertifizierte Ernährungsberaterin. Nach meiner Ausbildung habe ich mich 2019 selbstständig gemacht. Mein ganzheitlicher Ansatz stellt den Menschen in den Mittelpunkt.“

Nachher: „Du hast schon drei Diäten hinter dir, und jedes Mal war nach einem halben Jahr alles beim Alten? Dann kennen wir uns noch nicht — aber dein Regal voller Ratgeber und ich kennen uns gut. Ich habe zwanzig Jahre lang jede Diät mitgemacht, die es gab. Heute helfe ich Frauen, die das Diät-Karussell satthaben, beim Essen anzukommen — ohne Verbote, ohne Punktezählen. Über 200 Frauen haben diesen Weg mit mir gemacht. Eine schrieb mir neulich: ‚Zum ersten Mal seit Jahren denke ich nicht mehr den ganzen Tag ans Essen.‘ Wenn du das auch willst: Lern mich im kostenlosen Kennenlern-Gespräch kennen.“

Gleiche Person, gleiche Qualifikation — aber die zweite Version beantwortet die Frage der Leserin, statt ein Zeugnis vorzulesen.

Die drei häufigsten Detail-Fragen

Du oder Sie? Das entscheidet deine Zielgruppe, nicht der Knigge — wichtig ist nur: durchgängig. Wer im Hero duzt und im Über-mich siezt, wirkt unentschieden. Im Zweifel gilt: Wie sprichst du im echten Erstgespräch?

Ich-Form oder dritte Person? Ich-Form, immer. „Kirsten Biema ist Expertin für …“ klingt nach Pressemappe und schafft genau die Distanz, die eine Über-mich-Seite abbauen soll.

Welches Foto? Eines, auf dem du aussiehst wie beim ersten Treffen — freundlich, zugewandt, aktuell. Das perfekt retuschierte Studio-Porträt von vor acht Jahren erzeugt beim Kennenlernen nur eine Reaktion: Irritation.

Und wenn dein Text steht: Lies ihn einmal laut und streiche jeden Satz, bei dem du selbst abschweifst. Dann hast du eine Über-mich-Seite, die arbeitet — nicht nur eine, die existiert. Feedback von Menschen, die deine Zielgruppe sein könnten, bekommst du übrigens im ShEO Club: Über-mich-Texte gehören dort zu den meistbesprochenen Werkstücken überhaupt.

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Kirsten Biema ist seit 26 Jahren selbstständig, davon zehn im Online-Business. Sie hält den ShEO Club — den Business-Club für alle, die ihr Online-Business aufbauen oder ausbauen wollen. Mehr über Kirsten: kirstenbiema.com

Häufige Fragen

Was gehört in einen Über-mich-Text?

Fünf Blöcke: der Einstieg beim Problem deiner Leserin, deine Geschichte als Brücke zu diesem Problem, konkrete Beweise deiner Kompetenz (Zahlen, Ergebnisse, Kundinnen-Stimmen), dosiert Persönliches — und genau ein klarer nächster Schritt am Ende. Der Lebenslauf in Prosa gehört nicht hinein.

Wie fange ich einen Über-mich-Text an?

Nicht mit „Ich bin …“, sondern mit deiner Leserin: zwei, drei Sätze, in denen sie ihr eigenes Problem wiedererkennt. Danach baust du die Brücke zu deiner Geschichte. Der Einstieg „Herzlich willkommen auf meiner Seite“ ist verschenkter Platz — er sagt nichts und hält niemanden.

Wie lang sollte eine Über-mich-Seite sein?

So lang, dass alle fünf Blöcke Substanz haben, und so kurz, dass nichts davon ausufert — meist 300 bis 600 Wörter. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern der Filter: Jeder Satz muss entweder Vertrauen aufbauen oder der Leserin zeigen, dass sie richtig ist. Was beides nicht tut, fliegt raus.

Schreibe ich meine Über-mich-Seite in der Ich-Form oder in der dritten Person?

In der Ich-Form. Die dritte Person („Petra M. ist zertifizierte Beraterin …“) klingt nach Pressemappe und schafft Distanz — das Gegenteil dessen, was die Seite leisten soll. Die Ausnahme sind reine Presse- oder Speaker-Profile, die andere über dich verbreiten.

Welches Foto gehört auf die Über-mich-Seite?

Ein aktuelles, freundliches Foto, auf dem du aussiehst wie bei einem echten ersten Treffen — Tageslicht schlägt Studio-Retusche. Das Foto hat einen einzigen Job: Die Leserin soll das Gefühl haben, dich schon einmal getroffen zu haben, bevor sie dir schreibt.