Kundinnen gewinnen · Akquise

Kundenakquise für Selbstständige — ohne Kaltakquise-Krampf

Von Kirsten Biema · Stand: August 2026

Kurz gesagt: Kundenakquise umfasst alle Maßnahmen, mit denen du neue Kundinnen gewinnst. Für Selbstständige funktioniert sie am besten in dieser Reihenfolge: zuerst die warmen Wege (bestehende Kontakte, frühere Kundinnen, aktiv erbetene Empfehlungen), dann passive Sichtbarkeit über einen klaren Kanal. Kaltakquise braucht es dafür nicht — ein einfaches Wochen-System schlägt jede Einzelaktion.

Gib „Kundenakquise“ bei Google ein, und du landest in einer Welt aus CRM-Software, Vertriebs-Trichtern und „10 Telefonleitfäden für den Erstkontakt“. Geschrieben für Vertriebsteams mit Quartalszielen — nicht für dich, die allein arbeitet und bei dem Wort Akquise an Klinkenputzen denkt.

Hier ist die Version für Selbstständige. Ohne Trichter-Vokabular, ohne Telefonskripte — und mit einer Reihenfolge, die zu einem Ein-Frau-Business passt.

Was ist Kundenakquise? Die kurze Antwort

Kundenakquise ist der Überbegriff für alles, was du tust, um neue Kundinnen zu gewinnen. Klassisch unterscheidet man zwei Paare:

Und jetzt der Satz, der dir vermutlich Erleichterung verschafft: Als Selbstständige gewinnst du fast alle deine Kundinnen über warme und passive Wege. Kaltakquise ist die Disziplin von Vertriebsabteilungen mit dickem Fell und langen Listen — für ein Solo-Business ist sie weder nötig noch passend.

Warum sich Akquise für dich falsch anfühlt — und warum das ein gutes Zeichen ist

Viele Selbstständige schieben Akquise vor sich her, weil sie sie mit Aufdrängen verwechseln. Kein Wunder: Die meisten Anleitungen stammen aus der Vertriebswelt, wo Ansprache ein Zahlenspiel ist. Wenn du bei diesem Gedanken zusammenzuckst, ist dein Instinkt gesund — du bist dein Business, und du kannst nicht 50 Absagen am Tag wegstecken wie ein Vertriebsteam. Musst du auch nicht.

Akquise für Selbstständige heißt nicht: Fremde überzeugen. Es heißt: den Menschen, die dich schon kennen, leicht machen, mit dir zu arbeiten — und dich für alle anderen auffindbar machen.

Wer beim Kundengewinnen feststeckt, dreht deshalb fast immer an der falschen Schraube: noch ein Kanal, noch eine Methode, noch ein Kurs-PDF — statt zuerst die naheliegenden Wege zu gehen.

Die Reihenfolge: Warme Wege zuerst

Bevor du auch nur einen Gedanken an Anzeigen oder neue Plattformen verschwendest, geh diese fünf Wege — in genau dieser Reihenfolge:

  1. Frühere Kundinnen. Melde dich bei allen, mit denen du je gearbeitet hast: Wie geht es dem Projekt? Gibt es Neues? Kein Verkaufen — echtes Interesse. Aus solchen Gesprächen entstehen Folgeaufträge wie von selbst.
  2. Empfehlungen aktiv erbitten. Zufriedene Kundinnen empfehlen dich gern — aber die wenigsten denken von allein daran. Ein Satz genügt: „Wenn dir die Zusammenarbeit geholfen hat: Kennst du eine, die das auch brauchen könnte?“
  3. Frühere Kolleginnen und Branchen-Kontakte. Die Menschen aus deinem Berufsleben wissen, was du kannst — sie wissen nur oft nicht, dass du es jetzt anbietest. Erzähl es ihnen. Wörtlich.
  4. Dein näheres Umfeld — mit klarem Satz. „Ich helfe [wem] bei [Problem]“ muss so einfach sein, dass deine Nachbarin ihn weitererzählen kann. Empfehlungen reisen nur in Sätzen, die man sich merken kann.
  5. Menschen, die dir schon folgen. Newsletter-Leserinnen, Kontakte, stille Mitleserinnen: Sag ihnen von Zeit zu Zeit klar, was du anbietest und dass Platz frei ist. Das ist kein Aufdrängen — das ist eine Information.

Diese fünf Wege kosten kein Geld, brauchen keine neue Plattform — und bringen für die allermeisten Selbstständigen mehr Aufträge als jede Anzeige. Warum das so ist, liest du ausführlich auf unserer Seite Kundinnen gewinnen — die ersten fünf kommen nicht aus Werbung.

Passive Akquise: auffindbar werden, ohne dich zu verbiegen

Wenn die warmen Wege laufen, kommt Stufe zwei: dafür sorgen, dass Fremde dich finden. Auch hier gilt — Klarheit vor Fläche. Ein Kanal, konsequent bespielt, schlägt fünf halbherzige. Für lokale Dienstleisterinnen ist das oft schlicht ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil samt Bewertungen; für andere ein Newsletter, ein Blog oder ein gut geführtes Profil. Wie du den richtigen Kanal wählst, steht im Artikel Sichtbar werden als Selbstständige.

Was du getrost ignorieren darfst

Dein Akquise-System: eine Stunde pro Woche

Akquise scheitert selten am Wissen — sie scheitert daran, dass sie „irgendwann mal“ passieren soll. Mach daraus einen festen Wochen-Termin, eine Stunde reicht für den Anfang:

  1. Zwei warme Kontakte anschreiben oder anrufen — frühere Kundinnen, Kolleginnen, Kontakte (20 Minuten).
  2. Eine Empfehlung erbitten bei einer zufriedenen Kundin oder einem guten Kontakt (10 Minuten).
  3. Einen Beitrag für deinen Kanal erstellen oder dein Google-Profil pflegen (20 Minuten).
  4. Kurz notieren, was diese Woche Rückmeldung gebracht hat — damit du nach ein paar Wochen siehst, welcher Weg bei dir trägt (10 Minuten).

Das ist unspektakulär. Genau deshalb funktioniert es: Kundenakquise ist kein Sprint vor leerem Konto, sondern ein leiser Wochen-Rhythmus — am besten mit Menschen, die denselben Rhythmus gehen. Im ShEO Club ist der Montag genau dafür da: „Woran hängst du diese Woche?“

Du musst nicht alles allein rausfinden.

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Kirsten Biema — Business-Mentorin fürs Online-Business

Kirsten Biema ist seit 26 Jahren selbstständig, davon zehn im Online-Business. Sie hält den ShEO Club — den Business-Club für alle, die ihr Online-Business aufbauen oder ausbauen wollen. Mehr über Kirsten: kirstenbiema.com

Häufige Fragen

Was ist Kundenakquise einfach erklärt?

Kundenakquise umfasst alle Maßnahmen, mit denen ein Business neue Kundinnen und Kunden gewinnt — von der ersten Ansprache bis zum Auftrag. Man unterscheidet aktive Akquise (du gehst auf Menschen zu) und passive Akquise (Menschen finden dich), sowie Warmakquise (bestehende Verbindungen) und Kaltakquise (völlig Fremde).

Wie macht man als Selbstständige richtig Akquise?

In dieser Reihenfolge: zuerst die warmen Wege — frühere Kundinnen kontaktieren, Empfehlungen aktiv erbitten, Berufskontakte informieren. Dann passive Sichtbarkeit über einen konsequent bespielten Kanal. Am wirksamsten als fester Wochen-Termin von einer Stunde statt als gelegentliche Hauruck-Aktion.

Welche Arten von Kundenakquise gibt es?

Aktive Akquise (Gespräche, Nachrichten, Netzwerktreffen), passive Akquise (Empfehlungen, Google, eigene Inhalte), Warmakquise (Menschen mit bestehender Verbindung zu dir) und Kaltakquise (fremde Kontakte ohne Verbindung). Für Selbstständige tragen warme und passive Wege fast das gesamte Geschäft.

Brauche ich Kaltakquise, um Kundinnen zu gewinnen?

Nein. Kaltakquise ist die Disziplin von Vertriebsteams mit langen Listen — für ein Solo-Business ist sie weder nötig noch passend. Die allermeisten Selbstständigen gewinnen ihre Kundinnen über frühere Kontakte, Empfehlungen und Auffindbarkeit. Wer dir Kaltakquise als Pflicht verkauft, verkauft meist ein Telefontraining.

Wie viel Zeit sollte ich pro Woche in Akquise stecken?

Für den Anfang reicht eine feste Stunde pro Woche: zwei warme Kontakte, eine erbetene Empfehlung, ein Beitrag für deinen Kanal, kurze Notiz, was Rückmeldung gebracht hat. Regelmäßigkeit schlägt Intensität — eine Stunde jede Woche bringt mehr als ein Akquise-Marathon pro Quartal.